Manche Ideen sind schon lange da, bevor sie eine Form bekommen.
In mir war dieser Samen – die Idee, einmal etwas Großes anzulegen. Etwas, das nicht im Atelier entsteht, sondern draußen, in der Erde, in der Landschaft, mit Pflanzen, Zeit und den Kräften der Natur.
Irgendwann wurde aus dieser Idee eine große Spirale.
Und dann kam der Moment, in dem ich entscheiden musste: Mache ich es wirklich?
Denn eine Idee zu haben ist etwas anderes, als sie in die Welt zu setzen.
Plötzlich waren da Zweifel.
Ist das überhaupt machbar?
Was, wenn es nicht so wird, wie ich es mir vorstelle?
Was, wenn die Pflanzen nicht wachsen?
Was, wenn ich mich überschätze?
Und irgendwo dazwischen tauchte immer wieder mein altes Bedürfnis auf, erst alles wissen und kontrollieren zu wollen, bevor ich beginne.
Ich kenne dieses Muster gut.
Erst planen. Dann absichern. Noch einmal überlegen. Noch etwas verändern. Und am liebsten erst anfangen, wenn ich sicher bin, dass es funktionieren wird.
Aber genau das war bei diesem Projekt nicht möglich.
Denn eine Spirale, die in die Erde gesetzt wird, lässt sich nicht vollständig kontrollieren.
Die Erde hat ihre eigene Sprache.
Das Wetter hat seinen eigenen Rhythmus.
Samen keimen, wenn sie bereit sind – oder auch nicht.
Pflanzen wachsen anders als gedacht.
Manches gelingt, anderes verschwindet wieder.
Und so wurde die erste Herausforderung nicht das Anlegen der Spirale.
Die erste Herausforderung war anzufangen, obwohl ich noch nicht wusste, wie es ausgehen würde.
Also habe ich angefangen.
Mit einer Idee im Kopf, einem Feld vor mir und ziemlich viel Respekt vor dem, was da entstehen sollte.
Und während ich plante, merkte ich langsam:
Die Spirale entsteht nicht nur im Feld. Sie entsteht auch in mir.
Mit jedem Schritt begegnete ich meinen eigenen Fragen, meinem Zweifel, meinem Wunsch nach Kontrolle und Sicherheit – und gleichzeitig meinem Wunsch, genau diese Kontrolle einmal abzugeben.
Vielleicht ist das das Spannende an einem solchen Projekt: Man glaubt zunächst, man legt etwas in der Landschaft an.
Und irgendwann merkt man, dass die Landschaft auch etwas in einem selbst anlegt.
Damals wusste ich noch nicht, wohin mich dieser Weg führen würde.
Ich wusste nur:
Jetzt beginne ich.
Und damit war der erste Samen in der Erde.